Personal

Das Lebensarbeitszeitkonto – mehr Flexibilität für deine Mitarbeiter

Trotz Corona sind die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe gut gefüllt. Da bleibt es nicht aus, dass deine Mitarbeiter ab und zu Überstunden machen müssen, um alle Aufträge termingerecht abzuarbeiten. Ist es somit nicht eine gute Idee, deinen Mitarbeitern die Möglichkeit einzuräumen, ihre Überstunden anzusammeln und später effektiv für sich zu nutzen?

Zeitguthaben ansparen, um die gewonnene Zeit später gewinnbringend auszuschöpfen. Genau so funktioniert das Prinzip des Lebensarbeitszeitkontos. Deine Mitarbeiter können auf einem Arbeitszeitkonto statt Geld Zeit verbuchen und später je nach Bedarf abfeiern. Das ergibt ein großes Plus für deine Mitarbeiter. Sie erhalten mehr Flexibilität und sind dadurch in der Lage, eine längere berufliche Auszeit zu nehmen. Beispielsweise für eine mehrwöchige Reise, für die Pflege eines Angehörigen oder um sich weiterzubilden.

Auch du als Unternehmer gewinnst durch ein Lebensarbeitszeitkonto viele Vorteile: du setzt effektiver deine Mitarbeiter ein und erzielst, dass deine Mitarbeiter motivierter und zufriedener ihrer Arbeit nachgehen. Außerdem stärkst du damit die Wettbewerbsfähigkeit deines Unternehmens.

Was ist ein Lebensarbeitszeitkonto?

Im Gegensatz zu dem bekannten Kurzzeitkonto, bei dem innerhalb eines bestimmten Zeitraums (meist 1 Jahr) ein Ausgleich erfolgen muss, ist das Lebensarbeitszeitkonto ein Langzeitkonto. Realisiert wurde dies durch das Flexi-II-Gesetz (1998 erstmals in Deutschland etabliert, 2009 erneuert). Es ermöglicht Arbeitnehmern, eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für flexiblere Arbeitszeiten. Arbeitszeit kann von deinen Mitarbeitern somit über einen längeren Zeitraum hinweg angespart werden.

Es stehen zwei Varianten zur Auswahl:

  • Die Ansparung von Guthaben für den früheren Einstieg in die Rentenzeit
  • Die Ansparung von Guthaben für eine betriebliche Auszeit, z.B. Langzeiturlaub, Weiterbildung, Sabbatical, Elternzeit, Pflegezeit oder auch die Umstellung auf Teilzeitarbeit

Wie funktioniert ein Lebensarbeitszeitkonto?

Auf das Lebensarbeitszeitkonto kann Guthaben in Form von

• Überstunden
• Gehaltsbestandteilen
• nicht genommen Urlaubstagen (die gesetzliche Mindesturlaubszahl ist davon ausgeschlossen)
• Urlaubs- oder Weihnachtsgeld
• Sonderzahlungen wie Boni oder Tantieme
• Gratifikationen oder
• Zuschüsse des Arbeitgebers

einbezahlt werden. Auf das angesparte Guthaben fallen keine Steuern und Sozialabgaben an, diese werden erst mit der Auszahlung in Abzug gebracht. Die Ansammlung des Guthabens erfolgt über mehrere Jahre, um später die angesparte Arbeitszeit teilweise oder komplett zu nutzen.

Die Vorteile eines Lebensarbeitszeitkontos

Entdecke auf einen Blick, was das Lebenszeitarbeitkonto für dich und deine Mitarbeiter bringt.

Voraussetzung für die Nutzung des Lebensarbeitszeitkontos

Es ist einfach, ein Lebensarbeitszeitkonto für deine Mitarbeiter einzurichten. Um Gehalt oder Zeit auf ein Konto einzusparen, ist lediglich eine schriftliche Vereinbarung zwischen dir und deinen Mitarbeitern erforderlich. Auch eine allgemeine Betriebsvereinbarung (gültig für alle Mitarbeiter) ermöglicht die Einrichtung eines Lebensarbeitszeitkontos.

Schutz des Lebensarbeitszeitkontos

Du bist als Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, das Lebensarbeitszeitkonto deiner Mitarbeiter abzusichern. Dies kann beispielsweise über eine Insolvenzversicherung, Bankbürgschaft oder einem Treuhandmodell erfolgen.
Auch bei Kurzarbeit ist das Konto deiner Mitarbeiter geschützt. Die Agentur für Arbeit darf von deinen Mitarbeitern nicht verlangen, bei evtl. anfallender Kurzarbeit auf das angesparte Guthaben zurückzugreifen.

Wer kann ein Lebensarbeitszeitkonto nutzen?

All deine Mitarbeiter, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, können ein Lebensarbeitszeitkonto einrichten. Dies betrifft auch Beschäftigte in Teilzeit, Minijobber oder Angestellte mit einem befristeten Arbeitsvertrag. Auch du als Geschäftsführer kannst dir ein solches Konto einrichten.

Wie erfolgt die Auszahlung des Guthabens?

Nehmen deine Mitarbeiter ihre Auszeit, beziehen sie auch in der Freistellung ein Gehalt, dann allerdings aus dem angesparten Guthaben. Bedingung dabei ist, dass die Bezahlung dem Durchschnittseinkommen der letzten 12 Monate entspricht. Was im Klartext heißt: mindestens 70%, max. 130% des durchschnittlichen Einkommens darf das Entgelt während der Freistellung betragen. Das Mindestgehalt sollte bei Vollzeitkräften € 450,- betragen.

Was passiert mit dem Zeitkonto bei Kündigung?

Wechselt dein Arbeitnehmer den Betrieb, ist der neue Arbeitgeber nicht verpflichtet, das Lebensarbeitszeitkonto deines (ehemaligen) Mitarbeiters zu übernehmen. Das Guthaben kann dann auf die Deutsche Rentenversicherung (Bund) übertragen werden. Auch eine Auszahlung des Guthabens ist möglich, Steuern und Sozialabgaben werden sofort fällig.

Sollte dein Mitarbeiter berufsunfähig werden, kann das Guthaben mit sofortiger Wirkung ausbezahlt werden, unter Abzug von den bekannten Abgaben.

Unser Tipp

Das Lebensarbeitszeitkonto ist ein gutes Instrument für dein Azubi-Recruiting. Biete deinen jungen Mitarbeitern bereits mit dem Start Ihrer Ausbildung das Lebensarbeitszeitkonto an. Die Ansparung von Zeitguthaben ist ein gutes Hilfsmittel, um später eine Weiterbildung zum Techniker oder Meister zu finanzieren.


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